



Hoch spezialisierte Tierarten
Wärme und Trockenheit können für freilebende Tiere förderlich
als auch begrenzend sein. Sie prägen über Strahlung und Verdunstung
das physikalische Lebensmilieu und beeinflussen die Nahrungsbasis als auch die
pflanzlichen Kleinstrukturen.
Steppen- und Trockenrasen bilden extreme Lebensräume, die vorwiegend von
Lebensraumspezialisten besiedelt werden, darunter viele wärmeliebende Arten.
So trifft man hier zahlreiche mediterrane oder pannonische Arten, die hier ihre
Verbreitungsgrenze erreichen und zum Teil als nationale Raritäten zu werten
sind.
Zu den Spezialisten zählt u. a. die Leinbiene (Hoplitis moscaryi). Sie legt
in lückig bewachsenen Bereichen ihr Nest an und kleidet dieses fast ausschließlich
mit den Blütenblättern des Gelben Lein (Linum flavum) aus. Anschließend
trägt sie den Pollen dieser Pflanzenart ein. Die starke Bindung an die Futterpflanze
birgt auch Gefahren. Blüht der Gelbe Lein nicht zum richtigen Zeitpunkt oder
ist er aus anderen Gründen nicht verfügbar (z. B. zu frühe Mahd),
kann die Population dieser Bienenart schwer geschädigt werden. Neben der
Leinbiene gibt es noch viele andere Wildbienen, die nur an einer oder wenigen
Pflanzenarten Pollen sammeln und hohe Ansprüche an den Nistplatz haben.
Die Liste an hoch spezialisierten und gefährdeten Tierarten ist sehr lang,
umfasst doch das Faunenspektrum der Steppen- und Trockenrasen mehrere tausend
Spezies. Die unermessliche Artenvielfalt verdeutlicht etwa die Tatsache, dass
im nur wenige Hektar großen Naturschutzgebiet „Glaslauterriegel-Heferlberg”
mehr als 1180 Schmetterlingsarten bzw. fast ein Drittel des österreichschen
Spektrums nachgewiesen wurden.
In den pannonischen Steppen- und Trockenrasen finden sind faunistische Kostbarkeiten
wie Ziesel (Spermophilus citellus), Heidelerche (Lullula arborea), Smaragdeidechse
(Lacerta viridis viridis), Schwarze Röhrenspinne (Eresus cinnaberinus), Berghexe
(Chazara briseis), Steirischer Fanghaft (Mantispa styriaca), Sägeschrecke
(Saga pedo) oder Mohnbiene (Hoplitis papaveris). Aus naturschutzfachlicher Sicht
zählen die pannonischen Steppen- und Trockenrasen zu den schutzwürdigsten
Sonderstandorten Österreichs.